Adventskalender: Andacht zum dritten Advent

[Ein Beitrag von Karsten Hüttmann]

Adventskugel 16

Johannes, der Täufer oder: „Schlangenbrut! Alles Schlangenbrut!“

Es gibt Menschen, die man nicht sofort mit Spaß oder Freude in Verbindung bringt. Menschen, wie Sheriff Schäfli zum Beispiel. Das ist natürlich nicht sein richtiger Name, aber wir nannten ihn immer so, wenn er nicht dabei war. In unserer Männer-WG während des Studiums hatte er immer ein Auge darauf, dass alles seinen rechten Weg geht. Dass die Ordnungen eingehalten wurden.

Und wenn mal wieder etwas falsch gemacht wurde, zum Beispiel über jemanden gelästert, die Musik zu laut aufgedreht oder Sachen nicht anständig aufgeräumt: Sheriff Schäfli wies einen mit 100%-iger Sicherheit darauf hin. Da ließ er, das personifizierte Auge des Gesetzes, nicht mit sich spaßen.

Und während ich über ihn schreibe, frage ich mich, ob ich ihn jemals lachend erlebt habe. So richtig albern, fröhlich, lauthals … Irgendwie Fehlanzeige. Ein Mensch, den ich nicht mit Spaß oder Freude in Verbindung bringe.

Bild: Rawpixel, Unsplash

Manchmal, wenn er mal wieder eine seiner Anklagereden hielt, habe ich die Augen zugemacht. Dann erschien er mir wie Johannes, der Täufer. Wie er da am Fluss steht und zetert und schimpft. Eine Menschenmenge um sich herum. Die einen lassen schuldbewusst die Schultern hängen. Seine Tiraden gehen zum Teil unter die Gürtellinie. Die anderen reiben sich die Fäuste und sind insgeheim froh darüber, dass er es nicht auf sie abgesehen hat.

Johannes, der Motzki

Auch so einer, den man nicht sofort mit Freude in Verbindung bringt. Allein schon sein Klamottenstil und sein Speiseplan. So kratzbürstig wie sein Mantel gewesen sein muss, so kratzbürstig kommt er in den Evangelien oft daher. Und dann auch noch Heuschrecken zum Mittagessen. Würg!

Aber genau dieser Johannes steht am dritten Adventssonntag im Mittelpunkt. Und passt mit seiner Drohbotschaft vom Feuer und der Schlangenbrut so gar nicht zu Lebkuchen, Glühpunsch, Räuchermännchen und „O du fröhliche“. Dabei heißt ausgerechnet dieser Sonntag in der kirchlichen Tradition auch noch Gaudete: Freut euch!

Johannes und Freude, wie das zusammenpassen soll: keine Ahnung. Wobei, da war doch was. Ganz am Anfang. Da hüpfte er sogar vor Freude. Im Bauch seiner Mutter Elisabeth. Als sie der ebenfalls schwangeren Maria begegnete. Da war eine ganz schöne Gaudi!

Und dann als Erwachsener redete er auch wieder von so einer Gaudi. Einer Hochzeitsgaudi. Er verglich sich selbst mit einem Trauzeugen, der die Braut zum Bräutigam führen darf.

Johannes, der Wegweiser

Jesus ist seine Freude. Und dass er Menschen zum Sohn Gottes führen kann. Dass er ein Wegbereiter ist. Ein Rufer. Auch das ist seine Freude. Nicht er ist der Wichtige, sondern der Bräutigam. Jesus.

Jesus und Johannes, der Täufer, auf einem Kirchenfenste

Auch wenn er in den Evangelien eher griesgrämig oder hart erscheinen mag, er muss doch insgesamt ein liebenswerter Kauz gewesen sein. Und auf seine Weise anziehend. Charismatisch. Sonst wären die Leute nicht in Scharen zu ihm geströmt.

Und eigentlich gilt das auch für Sheriff Schäfli, denn er war trotz allem liebenswert und vor allem  einer, der mich auf Jesus hingewiesen hat, weil er sich selbst so an und über Jesus gefreut hat. Auch wenn mir nicht immer alles in den Kram passte, was er mir sagte.

Aber damit kann man sich im Advent durchaus mal beschäftigen: die Freude, also die Gaudi, über Jesus und darüber, Menschen auf IHN hinzuweisen. Und auch manches im Leben, was nicht so ist, wie es sein sollte. Dafür steht jedenfalls Johannes, der Täufer.

In diesem Sinne: einen fröhlichen dritten Advent!

Karsten Hüttmann, Bereichsleiter CVJM-Arbeit in Deutschland

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