Adventskalender: Mäuseweihnacht

Adventskugel 15

[Ein Beitrag von Kristin Esche]

Als Kind habe ich folgende Geschichte zu Weihnachten immer geliebt und auf CD angehört.

Julchen und Katinka

Eines Tages im Dezember saßen die beiden Mäuse Katinka und Julchen in einem Loch und unterhielten sich.

„Ich freu mich auf Weihnachten!“, sagte Katinka, die ältere.
Julchen, die noch nie einen Weihnachtsabend erlebt hatte, erwiderte: „Was gehen uns die Feste der Menschen an?“

Am 24. Dezember staunte Julchen nicht wenig. Das ganze Haus duftete nach den allerleckersten Dingen. Sie schlich sich in die Küche und sah Berge von Kuchen und Keksen auf dem Tisch. Sie huschte ins Wohnzimmer und sah Marzipan, Schokolade, Bonbons und einen großen Baum, der mit Kerzen besteckt war.

In der Ecke, in der sie hockte, lag ein abgebrochenes Stück Schokolade, als wär‘ es eigens für sie dort hingelegt worden. Bald war die Schokolade verschwunden und Julchens Schnauze so braun, als wär‘ sie keine Maus, sondern ein Goldhamster.

Als Julchen, die eine ordentliche Maus war, sich wieder sauber geschleckt hatte, trippelte sie ins Kinderzimmer. Hier wäre sie fast von einem Spielzeugauto überfahren worden, wenn sie sich nicht im letzten Augenblick mit einem Sprung zur Seite gerettet hätte.

Bild: Yunu Dinata, Unsplash

Durch den Sprung landete sie auf dem Tisch einer Puppenstube, auf dem ein Teller mit einem Stück Buttercremetorte stand. Julchen patschte mitten in die Torte hinein. Die drei Kinder im Zimmer, die Julchens süße Landung beobachtet hatten, kreischten vor Vergnügen über das Missgeschick des Mäuschens. Julchen aber rappelte sich auf und rannte wieder aus dem Kinderzimmer hinaus. Diesmal war sie eine weiße Maus, die Buttercremespuren hinterließ.

Im Mauseloch ließ sich Julchen von Katinka sauberschlecken, dabei sagte sie: „Weihnachten ist eine aufregende Sache.“
„Warte die Nacht ab!“, bemerkte Katinka, „dann geht’s erst richtig los!“

In der Nacht als die Menschen schliefen, kam eine Schar von Nachbarmäusen, um Julchen und Katinka ein „Frohes Fest!“ zu wünschen. Man hatte im Flur im Schirmständer ein leckeres Essen mit Käse, Speck und süßen Sachen hergerichtet. Man trank aus Haselnussschalen Punsch und Likör und wurde langsam berauscht.

Um vier Uhr morgens tanzten sechzehn Mäuse den allerneuesten Modetanz und sangen dazu: „Den Mäusen, den Mäusen, den Mäusen geht es gut!“

Am nächsten Morgen fragte Katinka: „Nun, Julchen, wie hat dir Weihnachten gefallen? Meinst du immer noch, dass uns die Festtage der Menschen nichts angeh’n?“
„Im Gegenteil“, piepste Julchen „Weihnachten ist ein herrliches Fest für Menschen wie für Mäuse. Ich freu‘ mich schon auf das nächste Weihnachtsfest.“

Text: Slobodan Petrovic. Übersetzung: James Krüss. Die Geschichte erschien 1970 unter dem Titel „Mäuseweihnacht“ als Pixi-Buch.

Kristin Esche, Assistentin Freiwilligendienste in Deutschland

Kommentare  Feed für diese Kommentare abonnieren

  1. Ich lieber diese Geschichte auf Kassette bei meiner Oma während des Plätzchen backen. Haben sie eine Idee wo man du Geschichte auf cd oder kasette jetzt wieder bekommt? Leider finde ich die meiner Oma nicht mehr…

    Liebe Grüße Tine

    • Soweit ich das recherchieren konnte, wird die Geschichte nicht mehr neu aufgelegt. Möglicherweise findet man noch bei Restbestände bei den gängigen großen Kaufhäusern im Internet.
      Viel Erfolg bei der Suche.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Newsletter abonnieren (Jederzeit wieder abbestellbar)