YMCA Togo: Wie kommt ein CVJM ins Gefängnis?

[Ein Beitrag von Martin Barth]

„Justice clubs“ im YMCA Togo

Gerichtsgebäude in Togo (Bilder vom und im Gefängnis sind nicht erlaubt)

In Togo gehört es seit Jahren zum Alltag, dass sich Mitarbeitende des YMCA morgens an der Gefängnistür melden und für einige Stunden hinter den Mauern und Stahltüren verschwinden. Nicht weil sie etwas verbrochen hätten, sondern weil eines der Arbeitsfelder des YMCA Togo die Arbeit mit jungen Strafgefangenen ist.

Alles begann vor knapp zehn Jahren mit einer Präventionsarbeit für kriminalitätsgefährdete Jugendliche in den YMCA-Jugendzentren. Manche von ihnen landeten früher oder später doch im Knast und so begann der YMCA, sich auch hinter den Gefängnismauern um junge Menschen zu kümmern.

Gerard Atohoun, Generalsekretär des YMCA Togo

Dabei fiel den Mitarbeitenden auf, dass viele der Inhaftierten seit Monaten ohne Gerichtsprozess im Gefängnis sind. Nur diejenigen aus reichen Familien können sich einen Anwalt leisten – viele der Ärmeren haben dazu keine Mittel und kennen ihre Rechte nicht.

Der YMCA entwickelte ein von der Europäischen Union gefördertes Programm, in welchem die Gefangenen über ihre Rechte aufgeklärt und Petitionen geschrieben werden, damit sie einen fairen Gerichtsprozess bekommen. Im Laufe der Jahre sind so Hunderte junger Menschen entweder freigekommen oder sie haben eine faire Verhandlung und eine klar definierte Strafe erhalten.

In den Gefängnissen gründete der YMCA „Justice clubs“, in welchen eine Gruppe von Gefangenen darin ausgebildet wird, andere zu beraten und Petitionen für sie zu schreiben. Wenn jemand neu inhaftiert wird, stellt sich bei ihm die YMCA-Gruppe von Gefangenen vor und bietet ihre Hilfe an.

Auch nach der Haftzeit begleitet der YMCA die jungen Menschen auf dem Weg in ein Leben ohne Kriminalität. Er unterstützt sie z. B. dabei, eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle zu finden oder ein eigenes kleines Unternehmen aufzubauen.

Lanzo in seinem Betrieb zusammen mit Martin Barth

Im April besuchten wir Lanzo, der sieben Jahre ohne Prozess im Gefängnis war und dann vom YMCA betreut wurde. Auf die Petition hin sollte er eine Verhandlung bekommen, aber niemand in der Justiz fand eine Akte über ihn. Keine offizielle Stelle konnte sagen, warum Lanzo seit sieben Jahren inhaftiert war. So wurde er freigelassen.

Druckarbeiten an Fußballtrikots

Vor seiner Haftzeit hatte er Drucken gelernt, im Gefängnis außerdem Korbflechten. So startete er mit Unterstützung des YMCA ein kleines Unternehmen, in welchem er Trikots und Stoffe bedruckt, Korbwaren und Taschen verkauft und nach und nach versucht, davon leben zu können. Auch wenn das Einkommen noch nicht ausreicht, sagt er strahlend, dass er dem YMCA sein „neues Leben“ verdankt.

Martin Barth, AG der CVJM Deutschlands

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