Gastprofessor Cornelius du Toit im Interview

Über deutsche Theologen, südafrikanische Geschichte und die Verbindung von Theologie und Naturwissenschaft

Die CVJM-Hochschule will vermehrt internationale Aktivitäten am Campus in Kassel integrieren. Eine Onlinebefragung aller Campus-Angehörigen zum Thema Internationalisierung zeigte ein großes Interesse an der Integration von Gastdozierenden und Studierenden aus dem Ausland (Incomings).

Cornelius du Toit im Interview

Ein erster Schritt in diese Richtung wird seit September mit der Gastprofessur des 64-jährigen Südafrikaners Cornelius du Toit getan. Bis Februar 2018 wird er an der CVJM-Hochschule theologische Lehrveranstaltungen geben.

Er ist Professor an der University of South Africa (UNISA) in Pretoria, Südafrika, und leitet dort das Research Institute for Theology and Religion (Forschungsinstitut für Theologie und Religion).

Die Gastprofessur von Cornelius Du Toit wird gefördert durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst

Sein Aufenthalt in Deutschland wird durch das Gastdozentenprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und die Timotheus-Stiftung gefördert.

Was sind deine Aufgaben an der UNISA?

Als Leiter des Forschungsinstituts Theologie und Religion habe ich viele interessante Projekte initiiert und begleitet, zum Beispiel ein Projekt im Bereich Ökologie zu „faith and earthkeeping“ (Glaube und Bewahrung der Schöpfung). Die meisten Projekte sind international und Gastforscher aus dem Ausland nehmen daran teil.

Außerdem haben wir ein jährlich stattfindendes, großes Wissenschafts- und Religionsforum ins Leben gerufen. Es ist in Afrika, Europa und den USA bekannt. In diesem Jahr haben wir uns beispielsweise mit der Metaphysik im Schnittpunkt von Wissenschaft, Religion und Theologie beschäftigt.

Was hat dich an der Gastdozentenstelle an der CVJM-Hochschule interessiert?

Ich bin „deutsch“. Nicht im wörtlichen Sinne, aber unsere Bildung und die Theologie sind geprägt durch deutsches Denken. Ich wollte sein, wo Hegel, Schopenhauer und Moltmann gewirkt haben. Sie alle sind große Theologen.

Die CVJM-Hochschule hat sich das Ziel gesetzt, „Brückenbauer“ zu sein: zwischen Theologie und Sozialer Arbeit, zwischen Kirche und Gesellschaft, zwischen Hochschullehre und Praxis. Cornelius, du begeisterst dich auch für eine solche Brücke, den Dialog zwischen Theologie und Wissenschaft. Was fasziniert dich daran?

Ich arbeite seit 20 Jahren mit dieser Brücke zwischen Naturwissenschaft und Theologie. Es gibt so viele interessante Forschungen im Bereich der Naturwissenschaften. Ich finde Kosmologie, Physik und die Neurowissenschaften sehr spannend.

Niels Gregersen, ein dänischer Theologe sagt, dass nicht nur der Mensch das Gottesbild wiederspiegelt. Gott sei auch in der Natur. Dem stimme ich zu und deswegen finde ich es so wichtig, als Theologe mein Bewusstsein zu erweitern und die Natur in meine Forschungen einzubinden.

Eine große Herausforderung ist, dass sich die Theologie und das Christentum nicht das Gebiet der Ethik wegnehmen lassen. Die naturwissenschaftlichen Forschungen wollen immer mehr das Menschsein perfektionieren. Das „Superbaby“ ist nur noch eine Frage der Zeit. Theologische Beiträge sind da sehr wichtig. Die Antworten zu diesen Themen stehen nicht ausdrücklich in der Bibel. Wir müssen vielmehr neu und kreativ darüber nachdenken.

Du kennst Deutschland bereits seit einigen Monaten: Welche Verbindungen siehst du zwischen Südafrika und Deutschland?

Das ist eine schwierige Frage. Südafrika ist stark vom postkolonialen Denken geprägt. Es geht um die ständige Suche nach der afrikanischen Identität. Dort etwas über Europa zu sagen ist nicht gut.

Doch die Welt ist global: Ich hoffe, dass dieses Denken nur eine Phase ist, denn in der Isolation zu arbeiten, ist nicht möglich. Wir brauchen die europäischen Christenkollegen. Ich möchte andere dazu ermutigen, involviert zu bleiben.

Vielleicht kommen uns ja in Zukunft viele CVJM-Kolleginnen und -Kollegen besuchen. Und ich bin sehr glücklich hier zu sein. Es ist eine gute Erfahrung für mich.

Damaris Müller, International Office der CVJM-Hochschule, und Lydia Hertel

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