Veränderungen in Sierra Leone

Ein Beitrag von Eckard M. Geisler

Frisches Wellblech und wuselnde Kekes

Vor einem halben Jahr besuchte ich das letzte Mal das kleine westafrikanische Land Sierra Leone. Mit dem YMCA dort unterhält der CVJM-Westbund eine langjährige Partnerschaft, in deren Rahmen Schulen, Berufsausbildungszentren und Vereinsheime entstanden sind.

Das YMCA-Hostel in Freetown

Sieht man eine Person oder besucht man einen Ort mehrfach in längeren Abständen, dann fallen einem gleich intensiv alle Veränderungen auf, die – wäre man die ganze Zeit vor Ort gewesen – kaum ins Auge gefallen wären.

Da ist einmal das Gebäude des YMCA-Nationalverbandes in der Hauptstadt Freetown mit Restaurant, Hostel und Büros. Augenscheinlich wurde das oberste Stockwerk intensiv renoviert. Einige Zimmer werden mit eigenem Bad ausgestattet.

Was bei uns gilt, das gilt auch hier: Stillstand ist Rückschritt. So muss man sich selbst hier, will man in der Konkurrenz bestehen, den sich verändernden Bedürfnissen anpassen.

Kekes in Sierra Leone

Schon bei meiner Ankunft in der Stadt staune ich nicht schlecht. Überall auf den Innenstadtstraßen knattern indische Tuck-Tucks, diese dreirädrigen kleinen Fahrzeuge. Hier heißen sie Keke. Auch dieser Spitzname ahmt wohl das Motorengeräusch nach.

Die letzte große Veränderung im Innenstadtverkehr waren vor einigen Jahren die Okadas, die Motorradtaxis. Junge Männer kutschierten die Menschen für ein paar „Groschen“ von A nach B. Doch es wurden so viele und die Innenstadtstraßen sind eng und werktags sowieso immer ein Ort des Dauerstaus, dass dieses „Ameisengewusel“ für alle Beteiligten mehr und mehr zur Unfallquelle wurde. Also wurden sie aus der Innenstadt verbannt.

Okadas, Motorradtaxis

Da hier aber wohl die besseren Geschäfte zu machen sind, stiegen die Besitzer auf die Kekes um. Mit ihren drei Rädern gelten sie wohl als Autos, und nun nutzen sie ungebannt gewandt jede Lücke im Verkehr.

Auch eine Neuerung für den Verkehr, sind drei breit ausgebaute Mautstationen auf den ersten gut 50 Kilometern der Ausfallstraße von Freetown ins Hinterland, von denen ich eine bereits im Landeanflug auf Freetown ungläubig bestaunte.

Eine der neuen Mautstationen

Sie sollten am 1. August in Betrieb genommen werden, was sich aber zur Freude der Autofahrer verzögerte. Angeblich dürfen die Chinesen für die nächsten über 20 Jahre dort kassieren, um so ihre Investitionen für die Verbreiterung und Instandhaltung der Straße wieder reinzuholen.

Und überall im Land wird kräftig gebaut. Es ist, als habe die Ebola-Epidemie einen Baustau ausgelöst, der jetzt gebrochen ist. Da muss man gar nicht weit laufen oder schauen!

Neubauten zeugen von der Aufbruchsstimmung

Beim Blick vom obersten Balkon des YMCA-Hostels sehe ich frisch wellblech-gedeckte Hütten, die sich nach und nach in feste Behausungen mausern und dazwischen größere Neubauten dort, wo lange Zeit Ruinen an die Kämpfe in Freetown am Ende des Rebellenkrieges erinnerten.

So ist das ein ganz hoffnungsvolles Bild, denn es zeigt Entwicklung in diesem Land, das durch brutal entbehrungsreiche Zeiten gegangen ist und noch geht.

Eckard M. Geisler, Bundessekretär für Weltdienst und internationale Beziehungen, CVJM-Westbund

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    • Danke für die Frage!
      Wir stehen jetzt gerade im E-Mail-Kontakt zum YMCA Sierra Leone, und veröffentlichen genauere Informationen, sobald wir können.


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