Chance für junge Flüchtlinge: CJD startet Projekt zur Berufsvorbereitung

Deichmann finanziert Programm für 18 Monate mit 200.000 Euro

Sie sind nicht mehr schulpflichtig, aber meist ohne Ausbildung und oft ohne Eltern oder andere Bezugspersonen nach Deutschland gekommen. Junge Flüchtlinge wie diese setzen große Hoffnungen auf eine Zukunft in Europa – aber sie haben es besonders schwer in unserer Gesellschaft Fuß zu fassen.

Mit Unterstützung von Deichmann lernen 21 junge Flüchtlinge im CJD Zehnthof Essen sechs Monate lang die Arbeitswelt kennen

Mit Unterstützung von Deichmann lernen 21 junge Flüchtlinge im CJD Zehnthof Essen sechs Monate lang die
Arbeitswelt kennen

Das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands e. V. (CJD – die Chancengeber) in Essen hat jetzt ein neues Bildungsprojekt gestartet, mit dem Flüchtlinge auf die Arbeitswelt vorbereitet werden: „Junge entwurzelte Menschen brauchen besondere Unterstützung, um bei uns anzukommen“, sagt Gerd Diesel, Gesamtleiter des CJD NRW Nord. Der Essener Schuhhändler Deichmann finanziert das auf 18 Monate angelegte Programm mit 200.000 Euro.

Zwei Frauen und 19 junge Männer aus Syrien, Iran, Irak, Eritrea, Guinea und Nigeria haben im Juli 2016 den ersten Kursus im Essener Zehnthof begonnen. Alle haben einen Asylantrag gestellt, die meisten leben noch in Zeltdörfern oder Gemeinschaftsunterkünften. Das CJD begleitet sie bei den ersten Schritten in unsere Gesellschaft: Das Verhalten beim Einkauf steht ebenso auf dem Programm wie der Umgang mit Ämtern, das Kennenlernen der Stadt und die Rollenverhältnisse der Geschlechter. Neben intensivem Sprachunterricht erkunden die Flüchtlinge schon in den ersten Wochen mögliche Berufsfelder: In den CJD-Werkstätten erproben sie sich als Maler und Lackierer, im Garten- und Landschaftsbau oder in der Hauswirtschaft. Nach der Vertiefungsphase mündet die Berufsvorbereitung im Idealfall in ein betriebliches Praktikum und eine erfolgreiche Prüfung mit Zertifikat nach sechs Monaten.

Hürden überwinden: Neue Initiative von Deichmann

Auch das Essener Wirtschaftsunternehmen Deichmann hatte bereits früh Praktikums- und Ausbildungsplätze für junge Flüchtlinge im eigenen Unternehmen eingeplant.

„Sehr schnell wurde aber deutlich, dass es aufgrund von Sprachdefiziten und bürokratischen Vorgaben nicht so einfach ist, die jungen Menschen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu integrieren“, sagt Ulrich Effing, Leiter der Unternehmenskommunikation Deichmann SE. Deshalb startete das Familienunternehmen eine neue Initiative: „Wir sind an das CJD herangetreten, um gemeinsam einen Weg zu finden, wie man junge Flüchtlinge, die nicht mehr der Schulpflicht unterliegen, auf die Berufswelt vorbereiten kann“, so Effing.

Einzigartige Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wohlfahrtsverband

So entstand die bisher bundesweit wohl einzigartige Zusammenarbeit zwischen einem Wirtschaftsunternehmen und einem Wohlfahrtsverband, mit der beide Partner auch die Hoffnung auf Nachahmer verbinden: „Bildung ist weit mehr, als Menschen aufzunehmen und ihnen ein Dach über dem Kopf zu geben“, erklärt Julia Edele, CJD-Pressesprecherin. „Und für Bildung brauchen wir Partner wie Deichmann, mit denen wir gemeinsam Programme und Projekte realisieren können.“

Julia Edele, CJD

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