Ich stottere – na und? Institut für Erlebnispädagogik beim Stotterchamp in der Schweiz

Fast zeitgleich zischen die Carbon-Pfeile durch die Luft und treffen gemeinsam mit vier lauten Schlägen ins Ziel. Applaus erschallt über die Zeltwiese am Waldrand des Bodensees in Tägerwilen (Schweiz).

Prof. Wolfgang G. Braun beim Bogenschießen

Prof. Wolfgang G. Braun beim Bogenschießen

Gerade haben vier Teilnehmende des Stotterchamps (*) – einer Stotterintensivtherapiewoche, durchgeführt durch die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik Zürich und die IB GIS Medizinische Akademie Freiburg – Schule für Logopädie – ihren letzten Pfeil geschossen. Nach zwei Stunden intensiver Arbeit mit dem Bogen reflektieren sie gemeinsam mit ihren Paten – allesamt Studierende der beiden Trägerschulen – ihre Erlebnisse.

Es wird deutlich: Das Bogenschießen bietet einige Metaphern und Bilder, die mit den Techniken zur Stottermodifikation übereinstimmen und die helfen können, diese zu verinnerlichen. Die Körperhaltung und Atmung sind ebenso wichtig, wie die Konzentration, das „Lockerlassen“ und die Technik an sich.

Angeleitet wurden die Teilnehmenden durch Henry Esche vom Institut für Erlebnispädagogik der CVJM-Hochschule und Prof. Wolfgang G. Braun der HfH Zürich. Nun besteht die Zeit, gemeinsam individuelle Schlüsse aus dem Bogenschießen zu ziehen.

Henry Esche, Prof. Dr. Germo Zimmermann und Samuel Bauer vom Institut für Erlebnispädagogik

Henry Esche, Prof. Dr. Germo Zimmermann und Samuel Bauer vom Institut für Erlebnispädagogik

Grundlage der Zusammenarbeit zwischen der CVJM-Hochschule und den beiden Träger-Schulen ist eine Kooperation, die im vergangenen Jahr geschlossen wurde (zur Pressemitteilung).

Aus der gemeinsamen Arbeit sind bereits erste Beiträge in wissenschaftlichen Fachzeitschriften entstanden, die die Grundlage für weitere Forschung und Praxisentwicklung bieten. Henry Esche und Germo Zimmermann zeigen in ihrem Beitrag in der internationalen Zeitschrift für handlungsorientiertes Lernen die Bedeutung erlebnispädagogischer Aktivitäten in der Logopädie auf. Und das Team um Wolfgang G. Braun hat ein Resümee über 15 Jahre Stotterintensivtherapie am Bodensee gezogen.

Gemeinsam soll nun aus wissenschaftlicher Perspektive erforscht werden, auf welche Weise die Kombination der handlungs- und erfahrungsorientierten Methode der Erlebnispädagogik einen vertieften Beitrag zur besseren Erreichung stottertherapiespezifischer Ziele leisten kann.

Das Stotterchamp-Gelände am Rande des Bodensees in der Schweiz

Das Stotterchamp-Gelände am Rande des Bodensees in der Schweiz

„Wir freuen uns, dass wir hier innovative Wege gehen und unseren Blick der Erlebnispädagogik hoffentlich gewinnbringend in die logopädische Arbeit mit einbringen können“, so Prof. Dr. Germo Zimmermann, der seitens der CVJM-Hochschule die wissenschaftliche Perspektive der Kooperation verantwortet.


(*)  „Stotterchamp“ ist ein Wortspiel: Wäh­rend des Auf­ent­halts in der Intensivtherapie in einem Camp können stotternde Kinder und Jugendliche sich als Champs erfahren, weil sie den Mut aufbringen, an ihrer Sprache zu arbeiten.


Literatur zum Thema:

Esche, Henry/Zimmermann, Germo (2015): Erlebnispädagogik trifft Stottertherapie. Zur Bedeutung erlebnispädagogischer Aktivitäten in der Logopädie. In: e&l (erleben und lernen) – Internationale Zeitschrift für handlungsorientiertes Lernen. Jg. 35 (5). 20-24.

Braun, Wolfgang G./Schneider, Karl/Kohler, Jürgen (2016): Sprechen als Hochseilakt: 15 Jahre Stotterchamp am Bodensee. Stotterintensivtherapie – Lehrveranstaltung – Erlebnispädagogik. In: Forum Logopädie. Jg. 30 (2). 2-9.

 

 

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