Bericht einer Freiwilligen aus Costa Rica: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist“

Leonie Preck macht aktuell einen Freiwilligendienst im CVJM weltweit in der ACJ Costa Rica. Mit dieser Geschichte gibt sie einen kleinen Einblick in ihren neuen Alltag:

Leonie Preck mit zwei anderen Volontärinnen des ACJ Costa Rica bei einem Ausflug auf den Irazu - dem höchsten Vulkan Costa Ricas

Leonie Preck mit zwei anderen Volontärinnen des ACJ Costa Rica bei einem Ausflug auf den Irazu – den höchsten Vulkan Costa Ricas

Letzte Woche habe ich mich dabei ertappt, wie oft man sich doch von Vorurteilen blenden lässt. Es ist ja auch am einfachsten, man glaubt das, was man meint zu sehen und zu wissen, ohne weiter darüber nachdenken zu müssen.

Leonie bei der Arbeit

Leonie bei der Arbeit

Die Kindergartenplätze fast aller Kinder werden in Costa Rica von einem Programm des Staates übernommen. Die Eltern müssen aber einige Kriterien erfüllen, quasi nachweisen können, dass sie darauf wirklich angewiesen sind. Wie immer bei sowas, gibt es Menschen, die das ausnutzen bzw. die es vielleicht doch gar nicht bräuchten. Letzte Woche kam dann ein neues Kind zu den „bebés“ – der Babygruppe im ACJ, wo Leonie arbeitet – ein Cousin eines Kindes, das schon im ACJ betreut wird. Da die Mutter offensichtlich nicht arbeitet und sie eben über Verwandtschaft zum ACJ gekommen ist, haben ich und meine Maestra dann fröhlich drauflos spekuliert, dass sie das sogenannte „Beca“, doch bestimmt gar nicht brauchen würde. Bis unsere Koordinatorin zu unserem Gespräch dazu gestoßen ist, und von eben genau diesem neuen Kind erzählt hat:

Die noch recht junge Mutter hatte sie gefragt, ob wir ihr mit Windeln aushelfen können, weil ihre Packung nicht mehr übers Wochenende reichen werde. Der Vater sei drogenabhängig und inzwischen obdachlos – sie selbst hat zwar das Abitur, aber schaffte es bislang noch nicht Arbeit zu finden.

Leonie mit dem Bebés bei einem Ausflug ins Schwimmbad

Leonie mit den Bebés bei einem Ausflug ins Schwimmbad

Da musste ich in Gedanken wirklich „Entschuldigung“ sagen. Ich hatte mir ein kleines Bild von der Situation gemacht, so wie es für mich plausibel war und mir noch angemaßt darüber ein Urteil zu fällen. Dabei sind die „Beca“ genau für Mütter wie sie gedacht.

Wie oft, richten wir andere in unseren Gedanken nach dem ersten Eindruck? Wie oft meinen wir jemanden genau zu kennen, obwohl wir nur ganz wenige Informationen haben? Mir ist durch dieses kleine Erlebnis wieder klar geworden, wie viel Unrecht wir anderen antun mit unseren Vorurteilen.

Aber: Der HERR sieht das Herz an!

Leonie Preck, CVJM weltweit Freiwillige in der ACJ Costa Rica

Der Freiwilligendienst von Leonie Preck wird gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL des BMZ.

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