»Ich will euch trösten« – Bilder für die Liebe Gottes

»Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.« Jesaja 66,13

Die Postkarte des CVJM-Gesamtverbandes zur Jahreslosung 2016

Die Postkarte des CVJM-Gesamtverbandes zur Jahreslosung 2016

Unter dieser Jahreslosung steht das neue Jahr 2016. Der CVJM-Gesamtverband hat zur Jahreslosung eine Postkarte herausgebracht, die im Shop des CVJM-Gesamtverbandes bestellt werden kann.

Für das aktuelle CVJM Magazin (Ausgabe 1/2016) hat sich Christina Brudereck Gedanken zur neuen Jahreslosung gemacht:

Die Bibel gibt uns einen Rat: »Du sollst dir nicht ein Bild machen.«

Gott bleibt Geheimnis. Die heilige Euphorie des Lebens ist größer, immer anders als unsere Vorstellungen. Andererseits redet genau diese Bibel wunderbarerweise ständig in Bildern von Gott, in Vergleichen.

Gott ist Licht, Fels, König, Hirte, Quelle, Vater, Mutter. Gott ist allmächtig, ewig, heilig. Friede. Freund. Befreier. Hebamme, Heiland, Hilfe. Schöpfer des Himmels und der Erde. Lehrer, Leben, Kraft.

Wie ein Löwe, ein Adler, ein Gänsegeier.

Gott ist Richter, Schutz, Stimme, Tröster.

Die Ewige. Der Name. Der Ort. Morgenglanz der Ewigkeit. Meister.

Für das Jahr 2016 wurde ein Bibelwort ausgesucht, das Gott als Mutter beschreibt. Ich persönlich glaube gerne, dass eine Jahreslosung eine gute Überschrift ist. Ich habe mir angewöhnt, recht naiv darauf zu vertrauen, dass die jeweilige Jahreslosung genau die richtige ist und ich im Laufe der Zeit ihre Schönheit und Kraft entdecke.

Christina Brudereck

Christina Brudereck
CVJM e/motion e.V.,
freiberuflich tätig als
Theopoetin und Schriftstellerin

Die Worte und Bilder der Bibel wollen uns die Liebe Gottes vermitteln. Trostkraft, die uns stärkt und die wir teilen, weitergeben. Denn das Wichtigste, was unsere Erzählgemeinschaft über Gott sagt, ist: Gott ist Gott in Beziehung! Nun ist das Bild des Vaters uns vertrauter, allein durch das Vater-Unser-Gebet. Jesus erzählt so liebevoll von seinem Vater, dass viele, damals, durch die Zeiten und weltweit immer wieder sehnsüchtig werden und an ihre eigenen Väter denken. Und dann dankbar werden oder sie vermissen, zornig werden, sich alleingelassen fühlen oder gedemütigt, in Pflicht genommen oder geschlagen oder gefördert und ermutigt. Mütter sind genauso begrenzt und fähig wie Väter. Und die einen haben Mühe mit dem einen Bild wie andere mit diesem. Trotz allem: Die Worte und Bilder der Bibel wollen uns die Liebe Gottes vermitteln.

Wie eine Mutter. Das bedeutet für mich: Ich werde umarmt zur Begrüßung. Ich wurde ins Leben geliebt. In Sehnsucht empfangen. Jeder Mensch ist aus Gott geboren. Ich weiß mich verbunden mit meinem Ursprung. Die mütterliche Umarmung hat mich oft getröstet. Schmerz gelindert, beruhigt und bestärkt. Sie hat mir Halt gegeben. Zuneigung ist mir sicher. Aus Gott kann ich niemals herausfallen. Denn meine Mutter ist eine Treue.

Dieses Bild tröstet mich – wie meine Mutter es getan hat. Bedingungslos. Zärtlich. Stark. Mit großer Treue. Gottes bestärkende Art. Die guten Geschichten. Die Gebete. Die Wurzeln. Geborgenheit. Die Hände. Du kannst dich bei ihr bergen. Und sie lässt dich gehen. Sie heißt dich ihr Leben lang willkommen. Und übt mit dir alle Abschiede. Sie ist Bindung und Freiheit. Jede Begegnung ist wertschätzend. Ja, ich nenne Gott manchmal »Mama!« Gott ist auch weiblich. Ist weich und weise. Ich bete: »Dein Schoß ist mein Sowieso. Deine Arme mein Immer. Deine Liebe ist mein Zweifellos. Deine Hände mein Ewig. Dein Interesse mein Allemal. Du Treue.«

Und: Ich entdecke Gott in den Müttern.

In den Müttern, die alles geben. In den schwarzen Müttern der Slums in Afrika. In den stillenden Müttern der Wüste. In den tragenden Müttern auf der Flucht. In den engagierten Müttern, die Brunnen bauen. In den Müttern, die beschützen und hüten. Gott, die Bedingungslose. Die Alltags-Heldinnen. Die Immer-Tapferen, Niemals-Müden. Entschlossen. Empathisch. Energisch. Eifrig. Durchaus einseitig – immer für ihre Kinder. Engagiert. Wie eine Mutter. Tröstlich ist auch, dass Mütter zornig werden können! Über Willkür. Ungerechte Zensuren. Schläge und Strafe. Hass und Hunger. Folter und Flucht. Verschwendung. Über Gleichgültigkeit. In diesem Trost steckt auch ein großer Sinn für Gerechtigkeit.

Die Bibel, meine Erzählgemeinschaft, weiß von einer langen, mütterlichen Geschichte der Treue: Von Eva, der Mutter alles Lebendigen bis zu Maria, der besonderen Mutter von Jesus. Eine junge ungewöhnliche Mutter. Prophetin. Auserwählte. Begleiterin auf dem Weg unserer Menschwerdung. Vorbild der Gottesgeburt. Freundin mit warmem Mantel. Anstimmerin. Magnificat-Sängerin. Schwester. Ikone. Seele von Frau. Zuhause der Liebe.

Gott wie eine Mutter. Eine Mutter wie Jesus. Sie steht immer auf der Seite der Menschenkinder. Das bestärkt uns im CVJM. Gott steht auf für die Kleinen. Die es nicht schaffen, noch nicht oder nicht mehr. Für die Selbstbewussten, Wunderkinder. Und für die, die nicht mitkommen. Die Kreativen, die Speziellen. Die ganz Lauten und die sehr Leisen. Die ganze Klasse und die Clowns. Den Michel und die Mutigen. Die Prinzessin und die Pippi. Für Annika und Tommy, Paul und Paula, Justin und Jaqueline. Die Ertappten und die Erfolgreichen. Die Spielverderber, Siegerinnen und Verlierer. Ganz besonders die Allerärmsten. Der Armgehaltenen. Die sich fremd fühlen. Die Geflüchteten. Die unabhängigen Geister. Trotzköpfe und Dickschädel. Sie deckt den Tisch. Jesus lädt ein in die Runde. Sie macht das Bett. Er öffnet die Tür und fragt: »Wer kommt in meine Arme?«

Sie liebt und heißt Willkommen.

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