Theologie studieren neben dem Job – das ermöglicht das CVJM-Kolleg

„Die Gemeinschaft hier ist toll, in unserem Kurs gehen die Beziehungen weit über das inhaltliche hinaus. Die Zeiten zu Hause mit dem Online-Studium sind teilweise sehr anstrengend, aber die Präsenzwochen in Kassel gleichen das wieder aus. Das ist wie Erholung, obwohl wir natürlich auch hier viel arbeiten müssen. Wir haben täglich von 9 bis 18 Uhr Kurse und am Abend kommt es dann vor, dass wir bei einem Glas Wein bis tief in die Nacht weitere theologische Ansichten diskutieren und austauschen. Doch gerade dieser Austausch ist ein großes Geschenk und bereichert uns alle.“

(Nicole Schnaars, 35 aus Freudenstadt, gelernte Erzieherin, nun hauptamtliche Mitarbeiterin im EJW in der Jugendarbeit und Studierende des Studienganges Theologie berufsbegleitend des CVJM-Kollegs in Kassel.)

Teilnehmer des Studienganges Theologie berufsbegleitend

Teilnehmer des Studienganges Theologie berufsbegleitend

Der Studiengang Theologie berufsbegleitend des CVJM-Kollegs in Kassel bietet Menschen jeden Alters und mit jedem beruflichen Hintergrund die Möglichkeit ein Theologiestudium mit kirchlich anerkannter Abschlussprüfung abzulegen. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Viermal pro Jahr treffen sich die Teilnehmer für jeweils eine Woche in Kassel und erarbeiten sich mit Hilfe der Dozenten des CVJM-Kollegs neue Inhalte. Dazwischen gibt es für die Studierenden regelmäßig Online-Aufgaben und Aufträge für Hausarbeiten, die sie zu Hause bis zu einem bestimmten Termin erledigen müssen.

„Unser Thema heute ist die Gerechtigkeit Gottes. Was ist der Unterschied zwischen Genitivus Subjectivus und Genitivus Objectivus? Ist das allen klar?“

Pfarrer Frank Weber ist Studienleiter für den Studiengang Theologie berufsbegleitend

Pfarrer Frank Weber ist Studienleiter für den Studiengang Theologie berufsbegleitend

Es ist Donnerstagnachmittag, die Mittagspause ist gerade vorbei. Der vierte Tag aufmerksamen Studierens, Diskutierens und Lernens – doch die Studierenden des Studienganges Theologie berufsbegleitend zeigen keinerlei Anzeichen von Müdigkeit. Pfarrer Frank Weber, Studienleiter des CVJM-Kollegs, sieht in ausschließlich aufmerksame Gesichter.

In dieser Woche beschäftigen sich die Studierenden vor allem mit den Schriften des Paulus. Die elf Studenten – sechs Frauen und fünf Männer – haben ganz verschiedene berufliche Hintergründe.

Markus Witzgall ist 31 und kommt aus Stuttgart. Ursprünglich hat er Hauptschullehramt studiert, als Lehrer gearbeitet hat er aber nie. Ihn zog es in den CVJM, der ihm schon von klein auf eine geistliche Heimat bot. Als CVJM-Referent will er diese Erfahrung an junge Erwachsene weitergeben. Mit dem Studium am CVJM-Kolleg bildet er sich für seine Arbeit weiter: „Das Tolle ist, dass ich das Gelernte aus dem CVJM-Studium immer sofort in der Praxis anwenden kann.“

Markus Witzgall und Dönüs Ungericht wollen sich für ihre Arbeit theologisch weiterbilden

Markus Witzgall und Dönüs Ungericht wollen sich für ihre Arbeit theologisch weiterbilden

Diese praktische Verwendung des Studiums erlebt die 39-jährige Dönüs Ungericht aus Stuttgart derzeit noch nicht. Im Moment ist sie hauptberuflich Mutter von zwei Kindern und arbeitet in Teilzeit im Seehaus in Leonberg in der Verwaltung. Die christliche Einrichtung bietet jungen Straftätern einen „Jugendstrafvollzug in freier Form“. Mit dem Studium hat Dönüs begonnen, „weil ich es Gott versprochen habe. Ich weiß noch nicht, in welcher Form ich mein neues Wissen nach dem Studium anwenden kann, aber Gott wird mich leiten.“ Im Moment sei das Studium für sie eine gute Möglichkeit, um weiter Mama zu sein und gleichzeitig die Zeit zu überbrücken, bis sie tatsächlich in ihrem neuen Beruf arbeiten kann.

Rainer Grauf stammt aus Kaufering in Bayern und arbeitet als statistischer Programmierer in der Pharmabranche. Das Studium absolviert er aus rein privatem Interesse. Seit Jahren engagiert er sich ehrenamtlich im CVJM. Doch der 55-Jährige sagt: „Ich habe nicht vor, später hauptamtlich im CVJM zu arbeiten, sondern ich studiere vor allem, um mich weiterzubilden. Es ist gut, wenn einige Menschen in den Gemeinden mehr theologischen Tiefgang besitzen, da es in Zukunft bestimmt vermehrt Hauskreise für Migranten geben wird, die Unterstützung brauchen.“ Für die Präsenzwochen des Studiums muss er jedes Mal Urlaub nehmen, da es in Bayern keinen Bildungsurlaub gibt, doch das nimmt er für den geistlichen Input, den er dafür erhält, gern in Kauf.

Hannah Sternberg und Nicole Schnaars im Gespräch

Hannah Sternberg und Nicole Schnaars im Gespräch

Bei der 22-jährigen Hannah Sternberg aus Bochum wiederum ist das Studium die allererste Ausbildung. Nach dem Studium absolvierte sie ein FSJ in Ghana und danach arbeitete sie für ein weiteres Jahr als FSJlerin in Deutschland. Anschließend wurde ihr bei der Organisation Pais Project, bei der sie als FSJlerin gearbeitet hatte, eine Stelle als Regionalleiterin angeboten, unter der Voraussetzung nebenher eine Ausbildung zu machen: „Die Verbindung von Beruf und Ausbildung ermöglicht mir das CVJM-Kolleg. Das Studium ist super, weil ich arbeiten kann, gleichzeitig lerne meinen eigenen Glauben zu hinterfragen und neue Aspekte lerne.“

Und wie war das nun mit Genitivus Subjectivus und Genitivus Objectivus? „Beim Genitivus Subjectivus ist Gott das Subjekt, beim Genitivus Objectivus geht es dagegen um die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“, erklärt Pfarrer Weber und die Studierenden machen sich eifrig Notizen.

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