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Begegnungen entlang der alten Seidenstraße in China und Tibet Bilder: Albrecht Kaul

Begegnungen entlang der alten Seidenstraße in China und Tibet
Bilder: Albrecht Kaul

China plant ein neues Großbauprojekt, die “Seidenstraßeninitiative”. Das noch ziemlich unterentwickelte Westchina soll an den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes angeschlossen werden. Das Gebiet entlang der alten Seidenstraße besteht zum großen Teil aus Wüste und soll nun mit Hochgeschwindigkeitstraßen, Autobahnen, Großbetrieben und Bergwerken erschlossen werden. Bevor dieses Projekt die einmalige Landschaft auf immer zerstören kann, bereiste Albrecht Kaul, China-Beautragter des CVJM-Gesamtverbandes, im August für knapp zwei Wochen zusammen mit anderen China-Interessierten die Seidenstraße, beginnend in China bis nach Tibet. Hier sein Reisebericht:

Seit Jahrhunderten fasziniert die Handelsroute zwischen China und Europa Abenteurer und Globetrotter. Auch 18 Freunde des CVJM wollten das noch ziemlich unberührte westliche China kennenlernen und zogen von der Westgrenze Chinas Richtung Osten, so wie einst auch Marco Polo unterwegs war. Allerdings nicht mit dem Kamel, sondern im Reisebus und per Schlafwagen. Die Strecken sind unvorstellbar lang und wir ahnen, dass es vor noch nicht allzu langer Zeit Jahre gedauert hat, bis man Wüsten, gewaltige Gebirgszüge und endlose Dürrezonen hinter sich gelassen hat, immer auf der Suche nach Wasser und Schatten. Inzwischen sind gute Autostraßen und Bahntrassen gebaut und das neue Seidenstraßen-Projekt der Zentralregierung in Peking wird dem Hinterland Moderne und Industrialisierung (auch mit allen Nachteilen) bringen. Dabei zielt die Regierung auch auf gute Handelsbeziehungen mit den arabischen Staaten und Europa. Schon heute gibt es einen durchgehenden Güterzug, der von Peking einmal pro Woche entlang der Seidenstraße nach Duisburg fährt.

Die westlichste Provinzhauptstadt Urumqi ist heiß und trocken. Am Rande der Wüste Gobi im Norden verdankt sie ihr Leben dem Wasser des Bogda Shan im Osten. Wir fahren hoch zum Himmelssee und hätten eine solche Landschaft hier nie erwartet. Grüne Almen, schlanke Fichtenwälder, ein glasklarer See von schneebedeckten Gipfeln umrahmt. Sind wir in den Alpen? Fast, nur dass hier nicht St. Bartholomä am Königssee grüßt, sondern ein modernes taoistisches Kloster, welches erst 1990 von taiwanesischen Pilgern errichtet worden ist. Wir wandern an Wasserfällen und kleineren Seen entlang.

Solche Osasen unterbrechen die Wüste entlang der Seidenstraße

Solche Osasen unterbrechen die Wüste entlang der Seidenstraße

Bald geht es wieder mit dem Bus stundenlang durch steiniges Gelände. Die schwarze Gobi ist so lebensfeindlich, dass wir dankbar in unserem klimatisierten Bus sitzen. Kein grüner Halm. Die einzigen „Bäume“ sind Strommasten, Bohrtürme und Windräder. Unvermittelt öffnet sich eine weite Senke, die Oase Turpan. Ein altes Kanalsystem (5000 km) bewässert riesige Melonen- und Weinfelder. Der Wein wird von den Muslimen (Uiguren) in Spezialhäusern zu Rosinen getrocknet. Eine gastliche, blühende Gartenstadt, die genauso schnell wieder der Wüste weicht.

In Jiayuguan mit einer mächtigen Festung am Ende der Großen Mauer treffen wir das erste Mal auf Christen. Eine Gemeinde, die von fünf Ältesten geleitet wird. Mark ist von der Gemeinde auf das theologische Seminar Nanjing delegiert und hat Urlaub. Er berichtet uns, dass seine Mutter lange für ihn gebetet hat. Vor vier Jahren hat er selbst den entscheidenden Schritt zum Glauben getan und er ist froh darüber. Das hat sein Leben verändert und nun will er die Welt verändern. Er lässt sich aktuell zum Pastor ausbilden und will in die Gemeinde zurückkommen. Für 2000 Gemeindeglieder ist die Kirche zu klein – trotz drei Gottesdiensten – und sie wollen ja auch noch wachsen. Eine neue Kirche ist geplant und sie soll gleichzeitig ein Zentrum werden, um das Evangelium auf der Seidenstraße weiter nach Westen auszubreiten, bis hinein in die arabischen Länder.

Eine Reise in eine aufregende, fremde Welt

Eine Reise in eine aufregende, fremde Welt

Der sogenannte Himmelszug bringt uns über Permafrost (1965 km) hinauf nach Lhasa, der politischen und geistlichen Hauptstadt Tibets. Was uns in Westchina schon auffiel, wird hier zur bedrückenden Realität. Ständige Kontrollen, auf den Straßen patrouillierendes Militär (mit Feuerlöschern!) und wir dürfen unseren deutschen Erkennungswimpel nicht zeigen. Keinerlei Demonstrationen. Als wir über Land fahren, sitzt ein Polizist vorn beim Fahrer. Er spielt zwar mit dem Smartphone und schläft schon mal, aber er ist immer dabei. Wir gewöhnen uns schließlich an ihn und genießen die unglaubliche Weite und die faszinierende Bergwelt, den mächtigen Bramaputra und die einfachen Dörfer, die Yaks am Straßenrand und die winkenden Kinder.

Eine christliche Kirche – sagt unser kompetenter tibetischer Führer – gibt es 750 km von Lhasa entfernt, aber er macht mich mit seinem Freund bekannt, der Christ ist und in Lhasa wohnt. Thashek (Name geändert) ist 30 Jahre alt und hat sich als ungewöhnliches Bekenntnis ein 25 cm großes Kreuz auf die Herzseite der Brust tätowieren lassen. Mit einigen Gleichgesinnten treffen sie sich, lesen die Bibel und diskutieren. Gottesdienst nennen sie das nicht, sondern „Beratung“. Unsere Gebete begleiten sie.

(Albrecht Kaul)

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