70. Jahrestag der Befreiung: Internationales Jugendcamp besucht Gedenkstätte Bergen-Belsen

Am 15. April 1945, heute auf den Tag genau vor 70 Jahren, wurde das KZ Bergen-Belsen (Kreis Celle) durch britische Truppen befreit. Das 21. Internationale Jugendworkcamp Bergen-Belsen lud kürzlich Teilnehmer aus der Welt ins Anne-Frank-Haus des CVJM-Landesverbands Hannover ein, um sich mit der Geschichte des ehemaligen Kriegsgefangenen- und Konzentrationslagers Bergen-Belsen auseinanderzusetzen. Veranstaltet wurde das zehntägige Camp von den Verbänden des Landesjugendrings und der Gedenkstätte Bergen-Belsen, geleitet von Sarah Vogel, Jugendbildungsreferentin des CVJM in Niedersachsen.

Die Teilnehmer auf dem Leidensweg.

Die Teilnehmer auf dem Leidensweg.

„Das Camp ist für mich eine großartige Möglichkeit aufgeschlossene Menschen zu treffen, die gemeinsam das Leben umkrempeln möchten“, sagte ein Teilnehmer. Layla aus Südafrika erklärte: „Für mich ist es die erste Reise nach Europa. Ich bin sehr gespannt.“

Nach einem Kennlernabend und einem thematischen Einstieg fuhren sie am zweiten Camptag gemeinsam zur „Rampe“, dem Ort, an dem die Gefangenen des Kriegsgefangenen- und Konzentrationslagers Bergen-Belsen angekommen waren und den Weg bis zum Lagereingang laufen mussten. Auch die Teilnehmer des Camps gingen diese sechs Kilometer, um an den Leidensweg der Gefangenen zu erinnern und zu gedenken. „Es ist unfassbar, welch eine Unmenschlichkeit an diesem Ort passiert ist. Wir alle sind dafür verantwortlich, dass so etwas nie wieder geschehen darf. Das fängt im Kleinen an, Ausgrenzungen und Diskriminierungen erfahren wir alle im Alltag und müssen lernen, uns dagegen zu positionieren“, reflektierte der 17-jährige Sjoerd aus den Niederlanden.

Dies ist auch das Anliegen der anderen 50 Teilnehmer. In verschiedenen Workshops vertieften sie ihr Wissen über den Ort Bergen-Belsen, beschäftigten sich mit den sowjetischen Kriegsgefangenen, mit Widerstand, mit unterschiedlichen Gedenkkulturen und der Kontinuität von Rassismus. „Ich denke, wir haben immer noch ein großes Problem mit Rassismus, überall auf der Welt, überall, jeder Zeit, in jedem Land. Es wird Zeit, dass wir dafür eine Lösung finden“, forderte die 16-jährige Kezhet aus Israel.

Zusätzlich zu den Campteilnehmern kamen viele weitere Interessierte ins Anne-Frank-Haus. Sie nahmen die Gelegenheit wahr, die persönlichen Erlebnisse von Yvonne Koch zu hören, die als Kind im Konzentrationslager Bergen-Belsen gefangen gewesen und im Alter von elf Jahren heute vor 70 Jahren, am 15. April 1945, befreit worden war.

Die Erfahrungen aus den letzten 20 Camps zeigen, dass diese Zeit im Anne-Frank-Haus und der Gedenkstätte alle Teilnehmer prägt und die Begegnungen häufig der Beginn internationaler Freundschaften ist. Da sind sich auch Layla, Keshet und Sjoerd einig.

Autorin: Sarah Vogel, Jugendbildungsreferentin des CVJM in Niedersachsen

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