Weltbundgebetswoche: Freitag

„Die Tochter des Pharao kam herab, um im Nil zu baden. Ihre Dienerinnen gingen unterdessen am Nilufer auf und ab. Auf einmal sah sie im Schilf das Kästchen und ließ es durch ihre Magd holen. Als sie es öffnete und hineinsah, lag ein weinendes Kind darin. Sie bekam Mitleid mit ihm und sie sagte: Das ist ein Hebräerkind.
Da sagte seine Schwester zur Tochter des Pharao: Soll ich zu den Hebräerinnen gehen und dir eine Amme rufen, damit sie dir das Kind stillt? Die Tochter des Pharao antwortete ihr: Ja, geh! Das Mädchen ging und rief die Mutter des Knaben herbei.
Die Tochter des Pharao sagte zu ihr: Nimm das Kind mit und still es mir! Ich werde dich dafür entlohnen. Die Frau nahm das Kind zu sich und stillte es.
Als der Knabe größer geworden war, brachte sie ihn der Tochter des Pharao. Diese nahm ihn als Sohn an, nannte ihn Mose und sagte: Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen.“

(2. Mose 2, 5-10)

 

Weltbundgebetswoche 2014

Weltbundgebetswoche 2014

Wo ist Gott? Gottes Abwesenheit und Gottes Nähe

Die Geschichte von Mose geht nach dessen Kindheit weiter. Wir sehen, wie er als junger Mann die Sklaverei erlebt und einen Ägypter tötet. Er muss nach Midian fliehen, wo er am Brunnen auf Zippora und ihre Schwestern, eine andere Gruppe junger Frauen, trifft. Zippora wird seine Frau und auf dem Rückweg nach Ägypten muss sie Mose sogar beschneiden, um Gottes Drohung, ihn zu töten, abzuwenden  (2. Mose 4, 24-26).

Wir haben nun von all den jungen Frauen gehört, die zusammen gearbeitet haben, um Mose zu beschützen, da stellt sich die Frage: Wo ist Gott? In der folgenden Geschichte vom Auszug aus Ägypten ist Gott immer präsent. Er spricht zu Mose, er sendet ihn, gibt ihm Anweisungen und nicht zuletzt befreit er das Volk Israel aus der Knechtschaft. Aber wo zeigt sich Gottes Hilfe ganz am Anfang der Geschichte des Exodus? Nur einmal wird Gott erwähnt. Die Hebammen Schifra und Pua stellen Gott über den Pharao und Gott handelt für sie. Und weil sie Gottes Geboten gefolgt sind, schenkt er ihnen eine große Nachkommenschaft (2. Mose 1, 15-21).

Aber anders als in der Geschichte von Mose und Aaron ist Gott nicht bei ihnen im Palast des Pharaos in dem kritischsten und gefährlichsten Augenblick, als sie sich rechtfertigen müssen. Gott ist auch nicht am Ufer des Flusses, um eine der jungen Frauen zu beraten. Stattdessen müssen sie selbst wie Gott handeln.

Die Mutter von Moses sieht mit Gottes Augen; sie baut eine Arche ohne Gottes Rat, der Noah beraten hat; die Tochter des Pharaos hat Mitleid mit dem Kind, wie Gott, der Mitleid mit Menschen hat, die ihn um Hilfe anrufen; die Schwester des Mose stand am Wasser und sah die Not und griff ein wie Gott, der später geholfen hat. Die Dienerin zog Mose aus dem Wasser wie Gott, der später das Volk Israel aus den Wassern des Roten Meeres retten sollte. Die Schwester von Mose und die Tochter des Pharao müssen Grenzen überwinden genau wie Gott, der keine Grenzen kennt, wenn es um die Rettung von Menschen geht.

Gott scheint am Anfang der Geschichte nicht aktiv zu sein. Die Frauen haben nach ihren eigenen Vorstellungen zu handeln, ihr eigener Mut und ihre Verwegenheit ist gefragt, sie müssen Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen übernehmen. Zippora muss sogar ganz direkt gegen Gottes Anschlag auf Mose eingreifen. Erst später im Text steht, dass Gott die Schreie der Menschen hört und die Not sieht.

Nach vielen Jahren starb der König von Ägypten. Die Israeliten stöhnten noch unter der Sklavenarbeit; sie klagten und ihr Hilferuf stieg aus ihrem Sklavendasein zu Gott empor. Gott hörte ihr Stöhnen und Gott gedachte seines Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob. Gott blickte auf die Söhne Israels und gab sich ihnen zu erkennen. (2. Mose 2, 23-25)

Gottes Wissen und Erkennen ist der Anfang der Befreiung Israels, auch wenn die Sklaverei noch viele Jahre andauern wird. Der Text versichert uns der Anwesenheit Gottes. In der gleichen Weise ist Gottes Wissen und Erkennen auch der Anfang seiner Hilfe. Aber die jungen Frauen im Buch Exodus hatten dieses Versprechen nicht. Sie mussten selbst handeln. Sie handelten mit Taten, die an Gottes Taten erinnern. Denn für sie ist Gott ist nicht präsent.

Dies ist eine Erfahrung, die viele Menschen machen, sowohl in der Bibel als auch heutzutage. Gott ist weit weg, es gibt keine Hilfe. Es gibt immer noch Sklaverei, Mord und Totschlag werden nicht gestoppt, Ungerechtigkeit setzt sich durch und Gewalt dauert an. Klagelieder machen einen großen Teil der Psalmen aus und sie sind das Gebetsbuch all derer, die einen Grund zum Klagen haben. Nicht zu jeder Zeit und nicht an allen Orten sind mutige Menschen aufgestanden und haben so wirksam gehandelt, wie die jungen Frauen es taten.

Deswegen handeln die jungen Frauen vereint und gemeinsam und überschreiten so die tödlichen Grenzen, die von dem mächtigen Herrscher gezogen wurden. Junge Menschen stehen oft am Beginn von Befreiungsprozessen. In vielen Gesellschaften begannen Proteste gegen gewaltsame Strukturen mit dem Protest junger Menschen. Sie sind in der Lage, weiter zu denken: über Feindseligkeiten hinaus, über Vorurteile hinaus, über alle Begrenzungen hinweg. Sie können Situationen analysieren und selbst handeln. Sie können eigenständig auftreten und standhaft bleiben. Und sie können Grenzen überschreiten. Diese Eigenschaften bilden den Kern einer Leiterschaft, die Grenzen überwindet und neue Wege eröffnet.

Es gibt keine Garantie, dass Gott da ist. Aber war Gott überhaupt weg? Ist jemand abwesend, nur weil er nicht spricht? Jede und jeder von uns muss selbst entscheiden und sich bewusst machen, was gespielt wird; muss Verantwortung akzeptieren, aktiv werden oder anderen solidarisch zur Seite stehen. Und es ist möglich, dass wir in all dem Gottes Anwesenheit nicht spüren.

Die Geschichte des Exodus will uns versichern, dass wir zumindest hoffen dürfen, dass Gott hört, sieht und weiß. Dass es Gott ist, der die Taten der Menschen unterstützt, auch wenn es lange dauert, bis es sichtbar wird. Am Ende ist Gott da. Aber es braucht eine Entscheidung zum Vertrauen auf Gott. Und diese Entscheidung steht nicht der anderen Botschaft im Wege: Vertraut jungen Frauen und Männern, sie sind in der Lage, sich für das Leben einzusetzen.

Weltbundgebetswoche 2014

Weltbundgebetswoche 2014

Fragen zur Reflektion

  • Die Bibel enthält große Teile der Psalmen und andere Texte, in denen über die Abwesenheit Gottes geklagt wird. Sie bündeln die menschliche Erfahrung von zahllosen menschlichen Erfahrungen und bieten uns Beispiele, wie wir damit umgehen können.
  • Nimm dir Zeit, in deiner Gruppe darüber nachzudenken, ob ihr in manchen Situationen auch das Gefühl habt, dass Gott nicht da ist. Welche Situationen sind das? Tauscht euch darüber aus.
  • Nimm dir Zeit, in deiner Gruppe darüber nachzudenken, in welchen Situationen die Anwesenheit Gottes fühlbar ist. Welche Situationen sind das? Tauscht euch darüber aus.
    Vergleicht die Unterschiede: Welche unterschiedlichen Zusammenhänge spielen dabei eine Rolle?

Gebet

Gott des Friedens, in vielen Situationen scheinst du nicht da zu sein. Warum wartest du so lang? Wir haben die Hoffnung, dass du alles weißt und die Freude und den Schmerz von uns allen siehst. Aber so oft erfahren viele Menschen diese Hoffnung nicht. Warte nicht so lang! Die Menschen sehnen sich verzweifelt nach Frieden, Freiheit und der Verwirklichung der Menschenrechte. Sende deinen Geist und deinen Frieden! Amen.

Dr. Ulrike Bachmann
(S. 21-24, Heft des Weltbundes zur Gebetswoche)

Gebetsanliegen

Wir beten für den CVJM Norddeutschland

  • Wir bitten für den CVJM Norddeutschland und seine Mitgliedsverbände, dass in den Vereinen und Gruppen junge Menschen auf das Evangelium von Jesus Christus hingewiesen werden. Besonders bitten wir darum, dass sich auch für die Arbeit in den Vorständen junge und alte Menschen bereitfinden, ihre Begabungen einzubringen.
  • Wir bitten für unsere internationalen Partner in Südindien und Belarus um Segen für ihre Arbeit.
  • Wir bitten auch für die Arbeit des YMCA im südindischen Marthandam, wo es in der ländlichen Region 350 Gruppen gibt, in denen sich Frauen treffen. Zusätzlich erreichen die Mitarbeitenden des YMCA mit ihrem Gesundheits- und Hygieneprogramm etwa 1000 Mädchen und Frauen. Wir bitten darum, dass sie mit ihrer Arbeit als christliche Minderheit ein gutes Zeichen in ihrer Umwelt sein können und dass unsere Unterstützung hilfreich ist.
  • Wir bitten dich für den neuen Kontakt des CVJM Norddeutschland nach Madurai in Südindien und für die Arbeit dort mit behinderten Kindern. Segne du die Arbeit der Geschwister und lass unsere Unterstützung auch dort hilfreich sein.

Anregungen aus der Gebetsinitiative „Hörst du mich?“

Der Vorschlag für heute lautet: Dank-Bar

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