Weltbundgebetswoche: Sonntag

„Sie machten ihnen das Leben schwer durch harte Arbeit mit Lehm und Ziegeln und durch alle möglichen Arbeiten auf den Feldern. So wurden die Israeliten zu harter Sklavenarbeit gezwungen.
Zu den hebräischen Hebammen – die eine hieß Schifra, die andere Pua – sagte der König von Ägypten: Wenn ihr den Hebräerinnen Geburtshilfe leistet, dann achtet auf das Geschlecht! Ist es ein Knabe, so lasst ihn sterben! Ist es ein Mädchen, dann kann es am Leben bleiben.
Die Hebammen aber fürchteten Gott und taten nicht, was ihnen der König von Ägypten gesagt hatte, sondern ließen die Kinder am Leben.
Da rief der König von Ägypten die Hebammen zu sich und sagte zu ihnen: Warum tut ihr das und lasst die Kinder am Leben? Die Hebammen antworteten dem Pharao: Bei den hebräischen Frauen ist es nicht wie bei den Ägypterinnen, sondern wie bei den Tieren: Wenn die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie schon geboren.
Gott verhalf den Hebammen zu Glück; das Volk aber vermehrte sich weiter und wurde sehr stark. Weil die Hebammen Gott fürchteten, schenkte er ihnen Kindersegen.“

(2. Mose 1, 14-21)

Weltbundgebetswoche 2014

Weltbundgebetswoche 2014

Schifra und Pua: Vereint im Widerstand

Die ersten, die dem Pharao Widerstand leisten und sich provokativ für das Leben einsetzen, sind die beiden Hebammen Schifra und Pua. Ihr Beruf stellt sie ganz wortwörtlich an den Anfang des Lebens, an die allerersten Minuten der Geburt. Als Hebammen arbeiten sie für den Schutz der Mütter und ihrer Kinder, sie fördern das Leben und bekämpfen den Tod. Ausgerechnet sie erhalten den Befehl, alle männlichen Neugeborenen der Hebräer zu töten weil „die Ägypter das Volk der Israeliten fürchteten“.

Aus Sicht der Israelis, wie auch aus jeglicher Sicht, die die  Menschenrechte anerkennt, ist dieser Befehl unmenschlich und falsch. Aus Sicht des Pharaos macht der Befehl jedoch Sinn, denn er befürchtet, dass sein Volk von den Hebräern übervölkert wird. Wenn man sich die Argumente des Pharaos anhört, fallen einem aktuelle politische Vorgänge ein. Wie oft werden Menschen als Bedrohung des eigenen Volkes angesehen, selbst wenn sie nur in relativ kleiner Anzahl auftreten! In den ersten fünf Monaten dieses Jahres sind schätzungsweise 500 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken, weil Europa sich vor ihrer Einreise fürchtete.

Auch in anderen Regionen wird von zu vielen Flüchtlingen geredet, genau wie es der Pharao bei den Hebräern empfindet. Menschen mit einem anderen Glauben werden besonders argwöhnisch betrachtet und als Gefahr für den eigenen Glauben und die eigene Gemeinschaft angesehen. Solche Argumente können leicht überzeugen, aber es ist nicht so leicht, diese zu hinterfragen und zu durchschauen. Einer tödlichen Macht zu widerstehen, erfordert die Fähigkeit, die Situation zu analysieren und sowohl die Gesetze als auch die Gesetzgeber zu prüfen. Welcher Art sind die Regeln hinter der Macht? Was ist die Grundlage der Gesetze und welches sind die Werte, die durch die Gesetze geschützt und umgesetzt werden? Es ist unbedingt notwendig, politisch informiert zu sein.

Die Hebammen entschieden sich zum Widerstand. Sie erkannten die tödliche Macht und entschieden sich für die Kraft des Lebens und der Befreiung. Sie verweigerten sich dem Befehl des Pharaos, die männlichen Neugeborenen der Hebräer zu töten. Sie glaubten an den Gott, der Leben schafft! Ihre Entscheidung war mutig und stark. Der Widerstand im Angesicht einer tödlichen Macht und lebensverachtender Gesetze brachte sie selbst in Gefahr und sie hätten sehr leicht für ihre Nichtbeachtung dieser Gesetze verantwortlich gemacht werden können. Aber sie handelten strikt nach ihrem Gewissen. Inmitten von gewalttätigen Strukturen verhielten sie sich schlau und berechnend. Sie gehorchten nicht der weltlichen Macht, sondern sie gehorchten Gott und ihrem Gewissen.

Aber wie kommt man gegen einen solch mächtigen Herrscher an? Ihre Art zu Handeln ist die eines Schwindlers. Die List ist die Waffe der „Untergebenen“, derer, die keine Macht haben und unter ständiger Bedrohung leben. Sie benutzen eine Lüge, indem sie die Vorurteile des Pharaos über die Hebräer bewusst bedienen. Sie  spielen mit der erfundenen Unterscheidung zwischen „uns“ und „ihnen“. „Bei den hebräischen Frauen ist es nicht wie bei den Ägypterinnen …“. Betrachtet man diese Argumentation von der Warte der Hebräer aus, muss man lachen: Was für eine List! Und die Ägypter glauben es. Wie erstaunlich!

Aber wenn wir uns heutige Gesellschaften ansehen, bemerken wir schnell, dass Ausgrenzung genau auf diese Art und Weise funktioniert. Es gibt einen Unterschied zwischen „uns“ und „ihnen“. Diesen Unterschied mag es in der Realität gar nicht geben, aber er existiert in der Sicht der anderen. Dieser künstliche Unterschied untergräbt die Menschlichkeit und ist die Grundlage für eine unterschiedliche Behandlung der Menschen. Die Hebammen übernehmen diese Denkweise, aber nutzen sie um Leben zu retten.

Rückblickend tun sie das, was später durch die Befreiungstheologie erst entwickelt wurde.  Sie sahen die Not, sie beurteilten den Machthaber und sie handelten. Ihr Ungehorsam gegenüber einer tödlichen Macht war der erste Schritt zum Auszug aus Ägypten. Jedoch verließ sich der Pharao nun nur noch auf seine eigenen Leute: Das ganze Volk erhielt den Befehl, alle männlichen Neugeborenen zu töten.

Weltbundgebetswoche 2014

Weltbundgebetswoche 2014

Fragen zur Reflektion

  • Gibt es Situationen in deiner Gemeinde, deinem Land oder auf deinem Kontinent, wo Menschen „ungehorsam“ sind, um Leben zu retten?
  • Welches sind die modernen Realitäten, die Widerstand von unserer Seite erforderlich machen?
  • Welche kreativen Wege finden die Hebammen, um die Vorurteile gegen die Hebräer für ihren Widerstand gegen die Gewalt zu nutzen? Gibt es heute Möglichkeiten, ähnlich zu handeln
  • Gemeinsam, als Team, übernehmen die Hebammen Verantwortung und leiten in kritischen Zeiten. Wie sehr würdigen und schätzen wir Teambuildung als Werkzeug für gute Leiterschaft?
  • Was sind die geistlichen Quellen für den Mut, Widerstand zu leisten?

Gebet

Gott, du bist der Schöpfer allen Lebens, du gibst jedem Menschen Atem und schenkst denen deinen Geist, die in deinem Sinne leben. Mögen wir uns deiner unerschöpflichen Liebe zu uns, wie zu jedem Menschen, bewusst werden.  Höre die Schreie derer, die in Gefahr sind und derer, die sich der Gewalt widersetzen um Menschen zu retten. Sende uns deinen Heiligen Geist um neue, kreative und gewaltfreie Wege zu finden, uns für das Leben einzusetzen.

Dr. Ulrike Bechmann
(S. 7-9, Heft des Weltbunds zur Gebetswoche)

Gebetsanliegen

Wir beten für die Arbeitsgemeinschaft der CVJM Deutschlands

  • Für die CVJM in den Städten, besonders für die ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden
  • für den CVJM in Peru mit seinen 300 Hauptamtlichen, für Oliver Mally (Bruderschaftssekretär) mit Familie
  • für das Landwirtschaftsprojekt im YMCA Togo und die geistlichen Mitarbeiterschulungen
  • für die Druckerausbildung und für die christliche Jugendarbeit im YMCA Ibadan in Nigeria
  • für die CVJM-Partnerschaftsarbeit mit Weißrussland und Indien
  • und für unsere einjährigen Freiwilligendienste: 19 Volontäre aus dem AG-Bereich bei verschiedenen Partnern und 8 Volontäre aus dem Ausland, die in AG-Vereinen mitarbeiten.

Wir beten für den YMCA Peru

  • Für alle Anstrengungen, die Finanzierung des Projektes „Glücklich werden“ für Straßenkinder sicherzustellen.
  • Für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden, besonders für die kranken.
  • Für die Schulungen und die Weiterentwicklung der christlichen Leiter im YMCA Peru, besonders für die Jugendleiter.

Antonio Merino, Generalsekretär der LACA

Anregungen aus der Gebetsinitiative „Hörst du mich?“

Der Vorschlag für heute lautet: Popcorngebet

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