Das Geheimnis des Menschensohns

Impuls zum Wochen­spruch:

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, dass er diene und gebe sein Leben zur Erlösung für viele.

(Matthäus 20, 28)

Diese Aussage von Jesus ist ungewöhnlich.  Sie fängt mit einem Nein an. Mit einer Richtigstellung, einer Abgrenzung. Das ist ungewöhnlich. Offenbar aber notwendig. Meist sagt Jesus einfach ganz klar und direkt, was er sagen will. Doch hier will er zuerst etwas ganz klar stellen. Jesus sagt, wozu er nicht gekommen ist: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse.

Halt, mag mancher denken. Spricht Jesus wirklich von sich selbst? Wenn ja, warum benutzt er dann diesen seltsamen Ausdruck, Menschensohn? Um das zu verstehen, müssen wir einen Augenblick innehalten. Zunächst einmal können wir beim Lesen der Evangelien, der Augenzeugenberichte über Jesus, wahrnehmen, dass er immer wieder über den Menschensohn spricht. Dieser Ausdruck stammt aus dem Danielbuch, das mehrere Hundert Jahre vor Jesus verfasst wurde. Dort heißt es: „Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht. Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.“ (Daniel 7, 13-14)

Der Menschensohn ist also der Weltenrichter, der, dem Gott alle Macht übertragen hat. Er, vor dem sich alle beugen und dem alle Völker dienen werden.  Und jetzt kommt das spannende: Jesus spricht immer wieder von diesem Menschensohn. Erst auf den zweiten Blick erkennen wir, dass er sich selbst meint. Und dann dreht er alles um. Der Weltenherrscher wird zum Weltendiener. Der Menschensohn ist zugleich der Knecht Gottes, der sein Leben dahingibt. Von ihm handelt das berühmte Kapitel 53 im Buch Jesaja.

Jesus bindet beides zusammen und erschließt seinen Jüngern so das Geheimnis seiner Sendung. Er ist beides zugleich: Der ewige Herr und der dienende Knecht. Der Weltenrichter und der Welterlöser. Und gerade deshalb ist er die Schlüsselfigur, derjenige, der alles zum Guten wenden wird.

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