Religiösität in der Praxis

[Ein Bericht von Annika Völker]

Vor kurzem fand in der Aula der CVJM-Hochschule ein Forschungskolloquium mit Prof. Dr. Alexander-Kenneth Nagel, zum Thema „Religion, Migration und Flucht. Empirische Perspektiven“. Eingeladen waren Dozierende und Studierende, um Einblicke in die aktuelle Forschungspraxis des Gastreferenten zu bekommen und über die dort erforschten Themen sowie Fragen der Forschungspraxis ins Gespräch zu kommen.

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Prof. Dr. Alexander-Kenneth Nagel bei seinem Vortrag

Prof. Dr. Nagel gab Einblick in zwei Forschungsprojekte; zum einen in das Pilotprojekt „Religiöse Diversität und Praxis in Flüchtlingsunterkünften“, in dem Mitarbeitende in Flüchtlingsunterkünften zu den Themen „Wahrnehmung religiöser Prägung und Praxis“, „Zusammenarbeit mit Religionsgemeinschaften“ und „religiöse Konflikte“ befragt wurden. Dabei stellte sich z. B. heraus, dass viele Mitarbeitende die Begriffe „Religionsneutralität“ oder „Religionsfreiheit“ im Sinne des „Frei-Seins“ von Religion interpretierten. Außerdem standen die Mitarbeitenden dem Thema „Religionssensibilität“ je nach Unterkunft (Landesaufnahmebehörden / Notunterkünfte) und deren „Auftraggeber“ unterschiedlich restriktiv bzw. wohlwollend gegenüber.

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Zeit für Diskussion und Rückfragen

Zum anderen stellte Prof. Dr. Nagel die Ergebnisse einer Sonderauswertung des Bertelsmann-Religionsmonitors dar, in der es darum ging, die Beteiligung religiöser Akteure an der Hilfe für Geflüchtete zu erforschen. Inwiefern stellt ein geteilter religiöser oder (ein) Migrationshintergrund eine Quelle für Empathie dar, die in konkrete Unterstützungsleistungen umgesetzt wird? Und inwiefern fungieren Religionsgemeinschaften als Kristallisationspunkte und Plattformen der Mobilisierung im Bereich der Flüchtlingshilfe?

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass die alltägliche religiöse Lebensführung mit der Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement zusammenhängt; dies zeigte sich sowohl bei Muslimen als auch bei Christen. Insbesondere die Beteiligung von Muslimen in der Flüchtlingshilfe war überraschend hoch.

Festgestellt wurde zudem, dass Gemeinden oft Plattformen für ehrenamtliches Engagement sind, die informelle Anbindung an die Gemeinde (z. B. gefühlte Zugehörigkeit) aber wichtiger ist als die zeremonielle Anbindung (z. B. Gottesdienstbesuch). Der Bericht dieser Sonderauswertung kann hier kostenlos heruntergeladen werden (2 MB. PDF)

Prof. Dr. Alexander-Kenneth Nagel ist seit 2015 Professor für Religionswissenschaft am Institut für Soziologie der Universität Göttingen.

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