Vortrag über das Verhältnis zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen und Unternehmen

Im Clinch mit den Großen?

Selbstbewusst begrüßte Rektor Prof. Dr. Rüdiger Gebhardt die Gäste zur Vortragsreihe an der CVJM-Hochschule: „Wir bilden Profis für den dritten Sektor aus.“ Deshalb sei man froh, zur Eröffnung der Vortragsreihe im Wintersemester mit Jürgen Kisseberth einen hochkarätigen Referenten und Dialogpartner gewonnen zu haben, der ein Kenner der Unternehmensszene im Einzelhandel ist.

Jochen Brühl, Jürgen Kisseberth und Prof. Dr. Rüdiger Gebhardt (v. l.)

Kisseberth ist Mitglied der Schwarz Unternehmenstreuhand, führt und gestaltet die Geschicke von Lidl Deutschland und Kaufland mit.

Jürgen Kisseberth hatte das Thema „Von Konfrontation zu Kooperation – Wann kooperieren NGOs und Unternehmen?“ wissenschaftlich fundiert und mit vielen Bezügen auf die eigene Unternehmensgruppe aufbereitet.

Die Schwarz-Gruppe und „CSR“?

Zu Beginn seines Vortrags stellte er die Schwarzgruppe mit Stammsitz in Heilbronn vor. Sie bildet das Dach der Einzelhandelsketten Lidl und Kaufland. Die Schwarzgruppe ist in 25 Ländern der Welt vertreten und ist eine der Top fünf Umsatzerbringer im Einzelhandel.

Die Schwarz-Gruppe betreibe „Corporate Social Responsibility“  (CSR), was auf Deutsch verantwortliches unternehmerisches Handeln bedeutet. „Gewinnerzielung und eine verantwortungsvolle Rolle in der Gesellschaft und für die Umwelt schließen sich nicht aus“, versicherte Kisseberth.

Eine „Win-Win-Situation“, eine Situation, in der sowohl Unternehmen als auch Gesellschaft profitieren, könne man in vielen Fällen schaffen. Das zeige sich in vielen für die Kunden sichtbaren Projekten von Kaufland und Lidl wie „Deutschland rundet auf“ oder der Kooperation mit den Deutschen Tafeln.

CSR habe aber auch einen Einfluss auf Abläufe innerhalb des Unternehmens, wie den Einkauf von nachhaltigen Handelswaren. Oder ganz praktisch: Eine nachhaltige Müllverwertung.

Kooperationen mit „NGOs“?

Soziales und verantwortliches unternehmerisches Handeln brauche Partner und Fachkompetenz. Hier kommen „Non-Governmental Organisations“ (NGOs), zivilgesellschaftliche Organisationen ins Spiel, wie auch der CVJM eine ist.

„NGOs begegnen uns heute auf Augenhöhe. Sie sind professionell, verlässlich und verfolgen ihre Ziele zunehmend durch Kooperation, statt ausschließlich durch Konfrontation.“ Auch Unternehmen seien offener geworden für die Anliegen von NGOs, denn die Gesellschaft lege heute mehr Wert auf Umwelt, Nachhaltigkeit oder beispielsweise gerechte Arbeitsbedingungen.

Anhand von Fallbeispielen stellte er Konfrontationen aus der Vergangenheit vor. Die Besetzung der Bohrinsel Brent Spa von Greenpeace 1994 zum Beispiel. Hier sei Greenpeace sehr auf Konfrontation gegangen.

Jürgen Kisseberth im Gespräch mit Jochen Brühl

Im Vergleich: Bei einer Kampagne von Greenpeace zum Thema saubere Kleidung in Discountern im Jahr 2015 war deren Herangehensweise weitaus kooperativer gewesen: Sie sprachen die Branche direkt an und machten ein konstruktives Angebot, wie die Unternehmen mit weniger toxischen Mitteln in Kleidung auskommen können. Das Ergebnis: Freiwillig seien Verbesserungen eingeleitet worden.

Nun stellte er die Frage, wann Unternehmen und NGOs kooperieren. Er nannte die vier C: Compatibility (Interesse an gleichen Themen), Capability (Fähigkeiten und Kapazitäten), Commitment (Bekenntnis für die Zusammenarbeit) und Control (Kontrolle über die Ergebnisse).

Wenn Unternehmen mit NGOs Kooperationen eingehen, sei das Ziel eine langfristige Partnerschaft auf Augenhöhe mit gleichen Rechten und Pflichten. „Wenn ich dauernd die Spülmaschine ausräumen muss, dann gibt es Krach zu Hause“, erklärte Kisseberth anschaulich eine solche Partnerschaft.

In der anschließenden Fragerunde, die von Jochen Brühl (Fundraiser des CVJM Deutschland und Bundesvorsitzender der deutschen Tafeln) moderiert wurde, beantwortete Kisseberth auch kontroverse Fragen, beispielsweise wie die Kooperationen von Unternehmen und Non-Profit-Organisationen „auf Augenhöhe“ funktionieren könne.

Die Gäste dankten es ihm mit viel Applaus.

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