“Ihr geht zu schnell” – eine Begegnung des YMCA Indien mit dem CVJM Norddeutschland

Wir kannten uns noch keine fünf Minuten und die Begrüßung im Hotel war mehr als freundlich gewesen. Anschließend machten wir uns zu Fuß auf den Weg zu unserem ersten Termin. Und dann das: Unser Besuch sagt nach den ersten Schritten mit einem freundlichen Lächeln: “Ihr geht zu schnell”. Offenbar gehen wir in Deutschland und Europa wesentlich schneller als in Indien (vielleicht zu schnell). Gemeinsam fanden wir dann ein gutes Tempo.

Gruppenfoto

Friedemann Hönsch, Richard Ezekiel (1. u. 2. v. l.), Joshua Moses (4. v. l.), Olav Rothauscher (3. v. r.) gemeinsam mit Mitgliedern des CVJM Bremen

Diese kurze Szene beschreibt die Begegnung mit zwei hauptamtlichen CVJM-Sekretären aus dem YMCA Indien gut: Entdeckungen in der Begegnung mit dem anderen machen und so voneinander lernen.

Besuch aus Südindien

Vom 6. bis 9. Mai waren Joshua Moses vom YMCA Madurai und Richard Ezekiel vom YMCA Madras aus dem südindischen Bundesstaat Tamil Nadu zu Gast. Ein sechswöchiges Fortbildungsprogramm des indischen YMCA in London führte sie für eine Exkursion auch nach Norddeutschland. Ziel war es dabei einerseits, die seit vielen Jahren bestehende Partnerschaft mit dem deutschen CVJM zu festigen, andererseits sollten Joshua Moses und Richard Ezekiel die CVJM-Arbeit in Deutschland kennenlernen.

Ein volles Besuchsprogramm

Ein eng getaktetes Besuchsprogramm hatte der Arbeitskreis Weltweit des CVJM Norddeutschland für die beiden Besucher erarbeitet. Neben etwas Sightseeing in Bremen und Oldenburg standen vor allem Begegnungen mit Menschen und Einrichtungen an.

Begegnung mit jungen Erwachsenen bei Soulfood in Oldenburg

Los ging es am Sonntag mit dem Besuch von “Soulfood”, einem ökumenischen Treffen von jungen Erwachsenen in Oldenburg. Gemeinsam wurde gegessen, gesungen und die Teilnehmenden konnten aus erster Hand zahlreiche Informationen über die YMCA-Arbeit in Indien sammeln. So erfuhren sie, dass in beiden indischen YMCAs mit benachteiligten Kindern, Jugendlichen und Familien gearbeitet wird und sie dort eine echte Chance erhalten, sich entwickeln zu können. Eine Chance, die sie ohne die wertschätzende und menschenfreundliche Haltung des YMCA nicht bekommen würden.

Joshua Moses und Richard Ezekiel berichten von ihrer Arbeit im YMCA Indien

Eine ähnliche Begegnung fand am Abend im CVJM Bad Zwischenahn und am Montagabend im CVJM Bremen statt. Hier wiederum konnten Joshua Moses und Richard Ezekiel norddeutsche Ortsvereine erleben und sich mit engagierten CVJM-Mitgliedern austauschen. Besonders beeindruckend fanden beide die Möglichkeiten der TEN SING-Arbeit, die von Tabea Meyerjürgens, ehrenamtliche Mitarbeiterin aus dem CVJM Bad Zwischenahn, vorgestellt wurde.

Besondere Begegnungen

Beim Gottesdienst im CVJM Bad Zwischenahn

Eine Begegnung der besonderen Art gab es am Sonntagnachmittag mit dem katholischen Pfarrer in Bad Zwischenahn. Kaplan Pater Clement Martis, ebenfalls aus Indien stammend, freute sich sichtlich über den Besuch aus seinem Heimatland. Es entwickelte sich ein Gespräch über die markanten Unterschiede in den Lebensweisen der beiden Länder, wie die Individualisierung auf der einen und der Zusammenhalt der Großfamilie auf der anderen Seite.

Besonders an dieser Begegnung war auch die Verpflegung. Pater Clement Martis hatte für die Gäste Käsekuchen besorgt … typischer für unser Land ging es kaum. Eine schöne Idee.

Profis unter sich

Da beide Besucher in Indien professionell mit der Förderung von benachteiligten Menschen zu tun haben, sollten sie vergleichbare Einrichtungen aus der Region kennenlernen.

Besuch des CVJM-Sozialwerks Wesermarsch

So standen ganztägige Besuche im CVJM-Sozialwerk Wesermarsch mit Fachbereichsleiter Jan Geerts und des CJD Bremervörde mit Dipl.-Psychologin Anke Katrin Suhling (stellvertretende Vorsitzende des CVJM Norddeutschland) an. Beide Fachleute führten die Besucher jeweils mit großem eigenem Engagement durch die Einrichtungen.

Gemeinsamkeiten mit der Arbeit in Indien wurden sichtbar. Die Haltung gegenüber den anvertrauten Menschen zeichnet sich durch einen wertschätzenden Umgang miteinander aus, gespeist aus einer christlichen Wertvorstellung.

Joshua Moses und Richard Ezekiel lernen die Arbeit des CVJM-Sozialwerks Wesermarsch kennen

So waren beide Besucher sehr beeindruckt, wie beispielsweise mit Menschen in den Einrichtungen umgegangen wird, die unter Benachteiligungen oder Einschränkungen leiden und welche Möglichkeiten es in Deutschland gibt, individuell gefördert zu werden.

Kraft aus gelebtem Glauben

Auch wenn die Geschwindigkeiten in den Kulturen zwischen Indien und Deutschland unterschiedlich sind und man sich schon beim Gehen irgendwie auf ein Tempo einigen muss, gibt es bei genauerem Hinsehen sehr viele Möglichkeiten, voneinander zu lernen und zu profitieren. Christen, die ihren Glauben überzeugend leben und aus dieser Kraft heraus bemerkenswerte Programme entstehen lassen, gibt es in Indien wie in Deutschland. Das ist ermutigend und zeigt, dass der YMCA-Ansatz, am Reich Gottes mitzubauen und sich mit seinen eigenen Fähigkeiten einzubringen, der richtige ist.

Gastgeschenke werden verteilt im CVJM Bremen

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Olav Rothauscher, dem Vorsitzenden des Arbeitskreises Weltweit im CVJM Norddeutschland. Nur durch seinen engagierten und zeitintensiven Einsatz für die weltweite CVJM-Gemeinschaft, konnte diese intensive Begegnung stattfinden.

Friedemann Hönsch, für den CVJM Norddeutschland

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