Der Brückenbauer nimmt Fahrt auf!

Antrittsvorlesung des neuen Rektors der CVJM-Hochschule
Prof. Dr. Rüdiger Gebhardt

Am gestrigen Dienstag, dem 1. April 2014, hielt der neue Rektor der CVJM-Hochschule, Prof. Dr. Rüdiger Gebhardt, seine Antrittsvorlesung zum Thema „Gibt es eine Brücke über alle theologischen Gräben? Anregungen für die innerprotestantische Ökumene“ im Rahmen des Studientags „Ökumene“ in Kassel.

Einleitend stellte Gebhardt sich zunächst persönlich als Wanderer zwischen konfessionellen Welten vor. In einem evangelischen Pfarrhaus aufgewachsen, wurde er vom Kasseler CVJM ebenso geprägt wie vom „Christustreff“ in Marburg. Später im Studium in Heidelberg lernte er durch seine Lehrenden das Luthertum schätzen. Als Pfarrer der evangelischen Kirche in Fuldabrück/Bergshausen inspirierte ihn die Willow Creek–Bewegung und die Ansätze des Gemeindeaufbaus und der Gemeindegestaltung des Greifswalder Theologie-Professors Michael Herbst.

Sein Fazit: „Ich passe zwischen alle Stühle, aber in keine Schublade. Ich bin ein Brückenbauer, den Liberalen zu fromm und den Frommen zu liberal“.

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Prof. Dr. Rüdiger stellt sich als Wanderer zwischen den konfessionellen Welten vor: „Ich pass zwischen alle Stühle, aber in keine Schublade.“

Als solch ein Brückenbauer lud Gebhardt die Studierenden und Gäste ein, wirkliches Interesse am anderen zu zeigen und im Spiegel des Gegenübers die eigene Position zu finden. „Die Zersplitterung der Christen tut mir weh und kann eigentlich keinen kalt lassen!“ führte er weiter aus, denn „um überhaupt gehört zu werden, müssen wir mit einer Stimme sprechen.“

Um zu diesem Herzensanliegen einzuladen, erläuterte Gebhardt Unterschiede zwischen liberalen und frommen Protestanten, von Frömmigkeitsformen, wie verschiedenen Liederbüchern und Liturgien bis hin zum unterschiedlichen Verständnis des Christseins. Sei man Christ, wenn man getauftes Kirchenmitglied sei und an wichtigen Festtagen den Gottesdienst besuche oder bräuchte es eine radikal, das Leben verändernde Bekehrung? Das sei für ihn ein Kernthema: „Wenn Christsein nichts mehr mit Glauben zu tun hat, lohnt es sich dafür zu streiten.“ Schalenthema hingegen sei in seinen Augen etwa das Thema Homosexualität: „Das Thema hat in den letzten Jahren einen Stellenwert bekommen, der ihm nicht zukommt.“

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In seiner Antrittsvorlesung ließ Gebhardt kein heißes Eisen aus und unterschied dabei zwischen elementaren Kernthemen und in seinen Augen weniger relevanten Schalen- themen.

Als Brücke und Grundlage der Konfessionen führte er die Rechtfertigungslehre Luthers an. „Auf die vier Exklusivpartikel, allein durch Christus, Gnade, Glaube und Schrift, können sich Christen einigen.“ Das habe er in zahlreichen theologischen Diskussionen erlebt.

Konkret wurde der neue Rektor schließlich zum Thema Taufe und der innerprotestantischen Diskussion um die Kinds- und Erwachsenentaufe. Nach Erläuterung der Diskussion anhand verschiedener Bibelstellen brach er die Diskussion runter auf die Frage nach der richtigen Reihenfolge: Solle die Taufe dem Glauben folgen oder umgekehrt? Auch diesen Brückentest bezeichnete Gebhardt als Schalenthema und erläuterte seinen Umgang damit als Gemeindepfarrer, in der er als überzeugter Kindstäufer auch Erwachsene in der Fulda taufte.

In der anschließenden Fragerunde warb Gebhardt um Verständnis auf beiden Seiten: Die Frommen, die eher die Erwachsenentaufe bevorzugen, sollten akzeptieren, wenn jemand in ihrer Gemeinschaft seine Kindstaufe für sich als geltend annehme und die Liberalen Verständnis dafür entwickeln, dass es für eine junge Person ein wichtiges Bedürfnis sein kann, die eigene Taufe in vollem Bewusstsein zu erleben und öffentlich seinen Glauben bekennen zu wollen.

An der CVJM-Hochschule und darüber hinaus im CVJM wird Rüdiger Gebhardt sicher noch häufig als Brückenbauer zwischen den Konfessionen zum Einsatz kommen. Als ökumenischer Verband ist die Vielfalt gerade eine Stärke des CVJM.

Diese Herausforderung erkannten schon die Gründer des CVJM-Weltbundes und formulierten 1855 in der „Pariser Basis“ der Grundlage der CVJM-Arbeit: „Die Christlichen Vereine Junger Menschen haben den Zweck, solche jungen Menschen miteinander zu verbinden, welche Jesus Christus nach der Heiligen Schrift als ihren Gott und Heiland anerkennen, in ihrem Glauben und Leben seine Jüngerinnen und Jünger sein und gemeinsam danach trachten wollen, das Reich ihres Meisters unter jungen Menschen auszubreiten. Keine an sich noch so wichtigen Meinungsverschiedenheiten über Angelegenheiten, die diesem Zweck fremd sind, sollten die Eintracht geschwisterlicher Beziehungen unter den nationalen Mitgliedsverbänden des Weltbundes stören.“

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